Freiluftpark Klingberg

1903 (1) (andere Quellen sprechen von 1905) eröffnete Paul Zimmermann am (großen) Pönitzer See (Scharbeutz / Schleswig-Holstein) den „Freilichtpark Klingberg”, eine lebensreformerische Siedlung. 1912 wurde das Stammhaus der Siedlung zu einer Gastwirtschaft umgebaut, es entstand die „Waldschänke Klingberg”.
Erst im Jahr 1926, nach einer umfangreichen Aufforstung, dem Bau weiterer Hütten, eines Spielplatzes und sogar eines Parkhauses, wurde die Siedlung Klingberg in ein großes Freikörperkulturgelände umgewandelt und war nun für jedermann zugänglich.
Das 100.000 qm große Gelände verfügte zu seiner „Blütezeit” (um 1928) über 35 mehr oder weniger große Wohnhütten (112 ständige Bewohnerinnen und Bewohner).

Auszug aus einem Prospekt von 1927

Prof. Dr. Lange, Blankenese:
„Wiedergewonnen habe ich das Paradies. Es ist noch nicht für uns verloren. Es ist da, es lebt und webt und beglückt und beseligt.
In einem heimlichen Winkel Ostholsteins liegt es versteckt, eineinhalb Stunden Radfahrt von Lübeck, der Stadt mit den sieben
Türmen, und führt den hellen Namen Klingberg.
Dort ist gar verschwiegen zwischen bewaldeten Hügeln weit ab vom Wege, Fremden nicht zugänglich, ein schwarzer Moorteich
eingebettet, von Schilf und grünen, sogar immergrünen Bäumen umkränzt, ein geheimnisvolles Wasser von unergründlicher Tiefe.
Hierin zu baden ist ein köstlicher Genuß, dem ich mich noch im Oktober, wie mit Nixengewalt hineingezogen, wollustatmend hin-
gegeben habe.
An seinem Ufer nämlich, der Sonne sehnsüchtig zugewandt, steht eine einsame Holzhütte, und in dieser Hütte wohne ich. Es ist
himmlisch, hier in Waldeinsamkeit fast ganz wie im Freien zu schlafen und durch offene Tür und Fenster von den ersten Sonnen-
strahlen sich wachküssen zu lassen. Flugs springe ich dann aus den Federn und trete, splitternackend, wie mich unser Herrgott
geschaffen, über den weichen Sandboden meiner Hütte in die wundersame Morgenfrische hinaus, die mich wie mit streichelnden
Mutterarmen zärtlich umfängt...


Klingberg Klingberg Klingberg
Wohnhütte Badeplatz des Freiluftparks Klingberg Blick auf den Großen Pönitzer See
    Klingberg
    Stammhaus, später die „Waldschänke Klingberg”

Die Schattenseite

Gegen Mitte der 1920er Jahre wurde der Freiluftpark Klingerberg zu einer Quelle völkisch-rassistischer Umtriebe (2), bei welcher der Gründer und Leiter Paul Zimmermann eine Schlüsselposition einnahm. Zimmermann versammelte Mitglieder des Mittgart-Bundes (Eliteanspruch durch Rassereinheit germanischer Völker) um sich und förderte die Errichtung eines auf Nacktkultur und Rassezucht angelegten Frauenhauses (3). Zimmermann kooperierte mit Carl Reinhold Petter (4), dem Leiter des All-Arierbundes und Gründer der völkischen Nacktkultursiedlung Breithablik.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten fühlte sich Paul Zimmermann in seiner bisherigen Arbeit und seiner Ideologie bestätigt. Erst als der 2. Weltkrieg immer mehr Opfer forderte, sah Zimmermann ein, dass seine „Ideologie” nicht ganz so mit der „Ideologie” des Nazi-Regimes konform lief. Er berief sich nunmehr auf die gesundheitlichen Aspekte der Freikörperkultur und fand darin ein neues Fundament für seine künftige Arbeit.

Nach 1945 wurde Paul Zimmermann zum Ehrenmitglied des DFK.

 


(1) → Handbuch zur »Völkischen Bewegung« 1871-1918 - Seite 406
(2) → „Der neue Mensch” - Bernd Wedemeyer-Kolwe, S 235 ff
(3) → Handbuch zur »Völkischen Bewegung« 1871-1918
(4) → Vgl. Akte KLingberg-Arische Glaubensgemeinschaft

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