» Über den Erfolg der FKK in den 50er Jahren «

Der Versuch einer Erklärung

Stöbert man in den FKK-Heften der späten 40er und der frühen 50er Jahre, so liest man fast immer von den Erfolgen, die es in der Freikörperkultur zu vermelden gab: nicht nur, dass zahlreiche Vereine gegründet wurden, sondern vorallem, dass die Mitgliederzahlen stiegen. Gleiches galt übrigens auch für die Zeit nach dem 1. Weltkrieg, in den 20er Jahren.

Eine Erklärung dafür kommt von Erich, heute 88 Jahre alt:


» Ich bin 1924 geboren, einen großen Teil meiner Kindheit und Jugend verbrachte ich in der Uniform der Hitlerjugend, bis man mich in eine Wehrmachtsuniform steckte und nach einer kurzen Ausbildung in die Normandie schickte. Ob man wollte, oder nicht, da hat niemand nach gefragt, die ganze Euphorie war da schon lange verflogen. Ohne, an irgendwelchen Kriegshandlungen beteiligt gewesen zu sein, geriet ich zum Glück in britische Gefangenschaft.
1946 konnte ich bereits aus England zurückkehren, zurück in ein zerstörtes Deutschland, zurück in ein ziemlich zerstörtes Hamburg. Praktisch fing man bei „0” an, bis man sich wieder etwas aufgebaut hatte, zu viele Jahre waren einfach verloren.
Und dann war da etwas, was sich „Freikörperkultur” nannte - mit der Nacktheit, damit hatte ich keine Probleme. Was mich an der FKK hauptsächlich faszinierte, war dieses kleine System innerhalb eines Vereines, wo der Mensch zählte und eben nicht Rangabzeichen und Orden. Ich trat also einem Verein bei und gehörte einfach dazu, einer Gemeinschaft ohne Uniform und dem ganzen überflüssigen Schnickschnack - ich fühlte mich fortan auch als Mensch.
...
Seit meinem Eintritt in die „HJ” bis zum Ende der Kriegsgefangenschaft war mein Leben von anderen Menschen bestimmt, von fremden Menschen, die mir sagten, was ich zu tun habe und was ich nicht darf. In dem System musste man gehorchen und funktionieren, die Konsequenzen wären schlimmer gewesen.
...
Die Freikörperkultur gab mir die Freiheit, die ich die vielen Jahren nicht hatte. «


Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die hier von Erich vorgebrachte Erklärung auch stellvertretend für viele andere Frauen und Männer steht. Letztendlich ist dies aber auch nur der Versuch einer Erklärung, warum die Vereine zu jener Zeit einen so regen Zulauf hatten.

Mit Erich hatte ich im Frühjahr 2012 gesprochen.

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