Not macht erfinderisch

Es heißt immer: Mensch hilf dir selber.
In dem folgenden möchte ich einmal berichten, wie ich als einfacher Mann den Siedlungsgedanken aufgefaßt habe und ihn ausführte.
Geld habe ich nichtund Abreit auch sehr wenig, so daß meine Familie eben zum Leben hat, aber mehr nicht. Ich konnte die Miete nicht zahlen, da habe ich mich mit dem Hausbesitzer geeinigt, ich würde sofort die Wohnung räumen, wenn er mich auf seinem mit etwas Baumbestand besetzten Heideland kostenlos ansiedeln ließe. Dies wurde mir zugesagt. Sofort machte ich mich fertig, um dort einen bombensicheren Unterstand zu bauen, wie ich das im Felde (→ 1. WK) gelernt hatte. 8 Tage nach der Zusage war ich bereits mit Kind und Kegel: im Wald und auf der Heide.

Mein Vater schenkte mir das Material zu einer Holzbaracke in Größe von 6 mal 4 m. Einbe Tür und ein paar alte Fenster erbte ich auch. Nach einigen Tagen war unsere Villa fertig und wir zogen ein; jetzt habe ich Arbeit genug. Es muß Heide umgegraben werden um etwas Gartenland zu kriegen. Vor einigen Tagen bauten meine Frau und ich uns einen Brunnen, damit wir kein Wasser mehr holen brauchten. Nun muß ich an der einen Seite des Grundstücks noch Birken anpflanzen und das ideale Freikörperkulturgelände ist fertig.




In diesem Sommer können wir zu jeder Zeit Sonnenbäder nehmen, ohne uns um die Außenwelt, die ich mit Stacheldraht abschließen werde, zu kümmern. Nun werde ich aus Kies und Zement Steine machen, um die Villa mit Steinen zu umkleiden. Sollte ich aus irgend welchen Gründen nicht genügend fertig kriegen, so werden wir in der kälteren Zeit wieder unteriridsch wohnen. Sollte ich aber Arbeit und damit etwas Geld bekommen, so werde ich sofort bauen, um im nächsten Sommer Lichtfreunde, die sich pekuniär nicht so glänzend stehen, um Badereisen zu machen, billig bei mir aufzunehmen. Nicht aus Verdienstgründen, sondern um der Lichtsache willen.

Text: Heinrich Diers, Oktober 1930 (Auszug)


Bilder :
Licht-Land - 1930/19 (Oktober)
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