Bademode

Als bekennender und aktiver FKKler beschäftige ich mich herzlich wenig mit Bademoden. Zugegeben, ich bin zwar rechtmäßiger Eigentümer einer Badehose - diese habe ich allerdings vor etlichen Jahren zuletzt in der hintersten Ecke meines Kleiderschrankes gesichtet und dürfte inzwischen diversen Generationen von Motten zum Opfer gefallen sein.

Trotzdem möchte ich gerne kurz über die Bademode ein paar Zeilen verlieren.

Leichter getan, als gesagt (geschrieben), denn schon die alten Germanen badeten entgegen meinen Vorstellungen nackt. Ein kleiner Zeitsprung zum Mittelalter brachte auch nicht viel, denn dort badete man ebenfalls nackt, jedoch mit bedecktem Kopf, was bei den Damen zu den ausgefallensten Hut-Modellen führte.

Nun aber ein Sprung in eine Zeit, in welcher man nicht mehr nackt badete, dem Rokoko. Spezielle Bekleidung zum baden gab es nicht, man ging voll bekleidet ins Wasser.



um 1910
Erst zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde eine spezielle Bademode kreiert, die der Leibwäsche (Unterwäsche, Untergewand) nachempfunden und als Wasser-Kostüm bekannt wurde.
Für den perfekten Sitz sorgte darunter ein Korsett. Allerdings ging die Dame, meist von einer rollbaren Umkleidekabine (die bis ins Wasser gefahren wurde) mit dieser Bademode nur bis zu den Knien ins Wasser, denn richtig schwimmen war damit nicht möglich.


Eine Vorkämpferin für den »Einteiler« und das Frauenschwimmen überhaupt, war die australische Wettkampf-Schwimmerin Annette Kellermann. Ihr Motto: "Ich will schwimmen - und das kann ich nicht mit einer Wäscheleine voll Stoff an meinem Körper". Ihr Einteiler war eng anliegend mit langen Beinen (Anmerkung: wie die olympischen Schwimmerinnen in Athen 2004). Im Jahre 1907 wurde Annette Kellermann am Strand von Boston wegen "anstößiger Enthüllungen" verhaftet, denn der nasse Badeanzug zeigte ihre Figur.

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde der Zweiteiler erfunden. Im Jahr 1946 erschuf Louis Réard einen Zweiteiler mit dem Namen »Bikini«. Bis fast zum Ende der 50er Jahre war das Tragen eines Bikinis in Deutschland aufs höchste unmoralisch. Erst in den 60er Jahren setzte sich der Bikini richtig durch.

In den darauf folgenden Jahren wurde der Bikini immer knapper und transparenter, es kamen Tanga, String und Micro-Bikini, wobei letztere eigentlich mehr zeigen, als verbergen und eine gänzliche Intim-Rasur zur Pflicht machen, denn so wenig Haare kann man nicht stehen lassen, daß sie nicht an irgendeiner Seite herausschauen könnten.


Noch mutiger, noch waghalsiger sind gehäkelte oder weiße Micro-
Slips, die nach dem Bad dann vollkommen durchscheinend sind.


Männer-Bademode
Auch die Herren blieben von der Mode nicht verschont. Wichtig war, daß die Badehosen lang genug sind, um die Oberschenkel zu bedecken, falls nicht ein Badeanzug vorgeschrieben war, wie zum Beispiel in öffentlichen Familienbädern.

Kinder-Bademode
Für die Knaben gab es Matrosenanzüge und "Prinzessinnen"-Kleidchen für die Mädchen, welche dazu meist noch eine Schleife im Haar getragen haben.
In den 40er und 50er Jahren trugen die Mädchen bis zum 9. / 10. Lebensjahr (je nach Entwicklung) meist nur Badehosen mit Trägern (über Kreuz) oder mit einem kleinen Lätzchen - heute auch »Monokini« genannt.


Mädchen im » Monokini «

Streng genommen, schon recht freizügig damals, in den 40er und 50er Jahren.
Aber auch heute gleicht sich die Kinder-Badmode, ganz besonders jene für Mädchen, immer recht schnell der Bademoden für Erwachsene an ... nicht immer zum Vorteil, wie ich finde.

Fazit:
Wie die Bademode auch war, ich kann mir nicht vorstellen, daß man sich darin wohl fühlt: entweder man hat unendlich viel nasse Klamotten am Körper kleben, oder die Sachen sind so eng, daß sie überall nur zwicken. Dann lieber ganz nackt.


Auszug aus einer Badevorschrift des Jahres 1932

- Das Verweilen der Herren bei dem Damenbad während der Badezeit ist streng verboten.

- Über 6 Jahre alte Kinder dürfen in dem Familienbade nur unter Aufsicht der Eltern und in der für ihr Geschlecht bestimmten Abteilung baden.

- Dienstboten dürfen nur von 8-9 Uhr vormittags baden.


Wissenswertes

09. September 1793
Eröffnung des ersten deutschen Seebades in Heiligendamm / Ostsee

1882
Der Strandkorb wurde erfunden, nach einer Idee von Elfriede Maltzahn aus Kühlungsborn, ausgeführt vom Hof-Korbmacher Wilhelm Bartelmann, Rostock

1897
Johann Falck (Lehrling von W. Bartelmann) baut den Prototyp "Zweisitzer als Halblieger"

Bikini
Es ist nicht bekannt, warum Louis Réard seine Bademode "Bikini" nannte. Einige Quellen gehen davon aus, daß er an das Bikini-Atoll im Südpazifik (Atombomben-Test, 1946) dachte. Andere Quellen meinen die Vorsilbe "bi" (= zwei) als Ursprung zu kennen.

Jacques Heim
... hat zeitgleich mit Louis Réard einen Zweiteiler entworfen.

Triangel-Bikini
... besteht aus drei - frei verschiebbaren - Stoffdreiecken, die nur mit Bändern zusammen gehalten werden.

Monokini
Im Prinzip nur eine (mehr oder weniger kleine) Badehose mit Trägern.

Wrong-Clothing
Die „Stoff-Dreiecke” der Bikini-Oberteile werden falsch herum getragen - besonders „In” bei jungen Mädchen.


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