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Lichtschulheim Lüneburger Land

 

Der Pädagoge Dr. Walter Fränzel suchte in ganz Deutschland nach einem geeigneten Objekt für seinen Plan, eine höhere Schule auf dem Lande zu gründen, in der er all seine jugend-erzieherischen Reformideen verwirklichen konnte. Dabei führte ihn sein Weg auch nach Glüsingen (Lüneburger Heide), wo er ein für seine Pläne sehr gut geeignetes Objekt fand.

Mit eigenen finanziellen Mitteln schaffte Dr. Fränzel es jedoch nicht, doch durch eine unvorhergesehene Erbschaft seiner Ehefrau Elise konnte er seinen Plan in die Tat umsetzen und die Immobilie im Winter 1927 kaufen. Kurz darauf gründete er das »Lichtschulheim Lüneburger Land« (LLL).
Für Sport, Spiel und Sonnenbad wurde ein waldumschlossener, nahe gelegenes Gelände hinzugepachtet.




Das Konzept seines Reformvorhabens lautet wie folgt:
Auszug

- Ständiger Aufenthalt in gesundheitsfördernder Wald- und Heideluft
- organische Verbindung von Leben und Unterricht
- freundschaftlich-kameradschaftliches Verhältnis von Lehrern und Schülern
- Zusammensetzung der Schülerschaft aus allen Teilen des Reiches
- Anregung durch oft weitgereiste Besucher aus In- und Ausland
- reiche Gelegenheit zu Kunstausübung
- Werkarbeit und Gartenbau

Leistungen sind nur von einem schaffensfrohen Kind zu erwarten. Methodische Gewöhnung an Wind und Wetter, Hitze und Kälte, besonders durch Nacktsein bei Gymnastik, Morgenlauf, Sport und Spiel im Sinne der Freikörperkultur, erzielen Rüstigkeit und körperliche Widerstandsfähigkeit.




Aufnahme aus dem Jahr 1928

Bildmaterial aus und von dem »Lichtschulheim Lüneburger Land« sind eine wahre Rarität.



Und wie weit konnte so ein Programm verwirklicht werden?

Dazu Robert Haberling, ein ehemaliger Glüsinger LLL-Schüler:


- Zitat -

„Mein Vater war lebensreformerisch eingestellt und war Vorsitzender des Neusonnlandbundes in Berlin. ... Um sozusagen »in Freiheit dressiert« zu werden, .... meldete mein Vater mich in Glüsingen an.
... Die Schule bestand aus zwei alten, strohgedeckten Häusern, Nebengebäuden, einem großen Garten sowie einem sehr großen, angemieteten Gelände, auf dem eine Art Sportplatz und später sogar eine Badestelle war.
... Bald hatte ich mich in der Schule eingelebt und fühlte mich da auch am richtigen Platz - die Kost war vegetarisch, aber nach einer Weile fehlte einem nicht mehr die Wurst und das Fleisch. Das einzige Unangenehme war, daß morgens schon in aller Frühe der große indische Gong ertönte und man frisch aus dem Bett zum Morgenlauf zu erscheinen hatte. Wir liefen natürlich im Adams-Kostüm ... Obwohl wir zuerst noch bei ein paar Häusern vorbei liefen, guckte schon keiner der Bewohner mehr, wenn wir »verrückten« Nackten da rumtobten. Wir hatten anscheinend Narrenfreiheit. Überhaupt war der sonstige Kontakt zur Dorfbevölkerung sehr gut. Oft waren wir mit ihnen gemeinsam in irgend einem der Häuser, während die Frauen spannen, sangen wir gemeinsam und es wurde auch vorgelesen und Geschichten erzählt. ... Wir wurden völlig natürlich erzogen und ich möchte sagen, daß dieses eine wirkliche Schule für das spätere Leben war.
Wenn es sehr heiß war, fuhren wir mit unseren Rädern zu einem kleinen See in der Nähe. Der Unterricht fand dann statt, auch wenn nur die Köpfe aus dem Wasser guckten. Ein andermal saßen wir oben in einem Baum ... und auch da konnte man ganz gut englischen oder französischen Unterricht abhalten.
Wer Geburtstag hatte, konnte an diesem Tag machen, was er wollte."

 

Auszug aus einem Prospekt

 

An der Glüsinger Schule ging es manchmal recht international zu.
Als Schüler war für einige Zeit ein junger Engländer da, Glynn Faithfull, der spätere Vater von Marianne Faithfull. Sein Professor-Vater hatte in England eine ganz ähnlich ausgerichtete Schule, die Priory Gate School.

Der französische Journalist und Schriftsteller, Roger Salardenne, berichtete über seinen Besuch in Glüsingen ausführlich und recht amüsant in einem Buch über seine Deutschlandreise.
Bericht von Roger Salardenne


Mit den Sommerferien 1933 wurde durch die Schulbehörde Lüneburg auf Anordnung der NSDAP die Fortführung der Schule untersagt.
Zunächst einmal gelang es Dr. Fränzel, für seine eigenen Kinder und den Sohn einer Mitarbeiterin des Ferienheims die Genehmigung zum Privatunterricht zu bekommen. So konnte er wenigstens diesen eine vorurteilsfreie Schulausbildung gewährleisten.
Nach Ausbruch des Krieges kamen seine Schülerinnen und Schüler als Flüchtlinge aus dem naheliegenden und immer mehr unter Beschuß stehenden Hamburg zurück.




Nach dem Ende des Krieges gab es von pädagogischer Seite Anregungen für eine Wiedereröffnung des »Lichtschulheims«, doch die wirtschaftlichen Bedingungen, und immer umfangreicher werdenden Gesetze und Verordnungen, hätten die Neugründung einer so sehr den Rahmen des üblichen sprengende Schule mit Sicherheit im Keime erstickt!

Glüsinger Rundbrief - Sommer 1956:




Ostern 2016
Die fkk-jugend e.V. zu Besuch in Glüsingen

 

Vielen Dank an den Bundesvorsitzenden der fkk-jugend e.V., Andreas Fischer, für seine Unterstützung.