Lässt man einmal die Zeiten beiseite, in welchen man aus Mangel an Bekleidung nackt gewesen war, so kann man die »Freikörperkultur« trotzdem um einige tausend Jahre zurück verfolgen.
So lassen sich bereits in den ägyptischen und assyrischen Schriften Beweise finden, die darauf schliessen lassen, daß die Ägypter und Assyrer den Wert einer kleiderfreien (Körper-)Erziehung erkannt und geschätzt hatten. Neben der körperlichen Gesundheit sollte somit auch die seelische Gesundheit gefördert und verbessert werden. Bekannter ist diese Nackterziehung bei den Griechen. Im »GYMNASION« traf sich die männliche Jugend, um nackt dem Spiel und Sport nachzugehen, aber auch, um zu lernen.

Die Nacktheit spielte auch in der Religion (damals) eines wesentliche Rolle. Beispielsweise war es bei den Sumerern selbstverständlich, nackt zu beten, und auch nackt zu opfern. Da eine »Kultur« auf eine seelische und geistige Bildung setzt, wäre eben dieser Begriff nur in Verbindung mit den „alten Griechen“ angebracht.
Quellenhinweise am Ende dieser Seite
Zeittafel
1795
Die älteste Niederschrift der Neuzeit stammt von Georg C. Lichtenberg (deutscher Schriftsteller u. Physiker, 1742-1799), der in seinem Werk »DAS LUFTBAD« berichtet, daß Lord Monboddo nackend bade und auch seine Töchter unbekleidet badeten und dieses auch zu schätzen wußten.
1888
Karl Wilhelm Diefenbach (Maler) begann in einer einsamen Waldgegend Bayerns, in Höllriegelskreuth, das »Sonnenmenschentum« zu predigen, wobei er auch seine drei Kinder Helios, Stella und Lucidus, welche auch seine Modelle waren, nackt herumlaufen ließ. Zusammen mit seinem Schüler Hugo Höppener (Fidus) brachte Diefenbach Bildnisse nackter Menschen in die Öffentlichkeit.
Wegen groben Unfugs wurden Diefenbach und Fidus 1888 zu Haftstrafen verurteilt.
Fidus erschuf auch das Lichtgebet - der, uns auch heute noch vertraute, junge Mann, der seine Arme in den Himmel streckt und zum Wahrzeichen, zum Symbol der Freikörperkultur wurde.

1893
Gründung des »Naturheil-Verein Essen Ruhr«. Die Eintragung in das Vereinsregister erfolgte zwar erst 1905 unter der Nummer "VR 1455", dennoch ist der Naturheil-Verein der älteste FKK-Verein der Welt.
Heute heißt der Verein: »Licht-Luft-Sportgemeinschaft Essen e.V.«, das Gelände befindet sich mitten in Essen, nahe der Kaninenberghöhle.
1900
Gründungsjahr der Zeitschrift »Health Culture«, und somit das älteste Naturisten-Magazin. Seit 1921 dann als »Health & Efficiency« bis Anfang der 90er Jahre erschienen.
1902
Mit dem Titel »Die Schönheit« erschien auch in Deutschland die erste FKK-Zeitschrift. Herausgeber war Karl Vanselow. Bis 1924 blieb diese Zeitschrift das Zentralorgan der deutschen Naturisten.
1903
In Klingberg (nahe Scharbeutz, Lübeck) wurde durch Paul Zimmermann die »Siedlung Klingberg« gegründet, welche dann 1926 als „Freiluftpark Klingberg” zu einem der größten Freikörperkulturgelände Deutschlands wurde.
Das Gelände wurde 1981 geschlossen.
1904
Frankreich: in der Nähe vom Etampes entsteht das erste FKK-Gelände Frankreichs.

Die Maler der »Brücke« (Nolde, Heckel und weitere) nutzen die Waldteiche bei Volkersdorf.
1906
Richard Ungewitter (1868-1958) veröffentlicht sein Buch »Die Nacktheit «.
In Berlin entsteht die FKK-Vereinigung »Aristokratische Nudo-Natio-Allianz« (ANNA)
Weitere Informationen zu:
Richard Ungewitter
1909
Der »Bund Freya« wird von Wilhelm Kästner gegründet, Eintragung ins Vereinsregister am 30.10.1909. Mit der Satzung (vom 23.03.1909) besaß der »Bund Freya« eine bereits recht fortschrittliche Form, welche den Satzungen der heutigen Vereinen recht nahe kommt.
1911
Richard Ungewitter gründet am 01.05.1911 die »Loge des aufsteigenden Lebens« (LDAL), später in »Treuebund für aufsteigendes Leben« umbenannt, war der erste überregionale Verband, welchem über 60 Gaue angeschlossen waren (in Deutschland, Österreich, Schweiz, dem Königreich Böhmen und Ungarn).
1912
Aus dem »Bund Freya« geht der „Monboddo-Bund” (siehe 1795) hervor.

Die »Nacktkultur« setzt ihren Siegeszug fort, FKK-Vereine wurden gegründet und die Nudisten wurden nicht mehr so hart verfolgt.

Die Jugendbewegung wurde gegründet und das Nacktbaden wurde regelrecht zu einer Selbstverständlichkeit, so, wie es sie heute schon überhaupt nicht mehr gibt.

Der nackte »Ausdruckstanz« wird kreiert.
1920
Aus dem bisherigen Begriff »Nacktkultur« formt sich die »Freikörperkultur« aus der »freien Körper-Kultur«. Aber erst Mitte der 20er Jahre wird der Begriff »Freikörperkultur« als offizielle Formulierung festgelegt.

Auf Sylt entsteht der erste offizielle FKK-Strand

Die erste FKK-Zeitschrift in chinesischen Schriftzeichen mit dem Titel »The New Life In Germany« erscheint (Herausgeber: Wong).
1921
23.04.1921 - AKK Birkenheide e.V. am Motzener See wird gegründet - auch gerne einfach nur „Kallinchen” genannt, nach der Gemeinde Kallinchen. Zunächst war das Gelände nur gepachtet. Im Jahr 2000 wurde das etwas über 12 ha große Gelände Eigentum des Vereines.
• AKK Birkenheide e.V. → Allgemeine Körperkultur Birkenheide e.V.
• 2009 war der AKK Birkenheide e.V. Drehort für die Komödie »Barfuß bis zum Hals«
1923
Der erste Dachverband, die »Arbeitsgemeinschaft der Bünde der Lichtkämpfer« wurde gegründet. Die Leitung wurde von Walter Tietz und Dr. Bernhard Schulze übernommen. Die Geschäftsstelle hatte ihren Sitz zunächst in Leipzig, später in Berlin.

In Egestorf (Lüneburger Heide) gründete Robert Laurer einen Verlag, in welchem die FKK-Zeitschrift »Die Freude« erschien, wenig später erschienen »Licht-Land« und »Lachendes Leben«.
1924
Hans Surén veröffentlicht sein Buch »Der Mensch und die Sonne«, dadurch kam es zu zahlreichen Beitritten in den FKK-Vereinen.
Weitere Informationen zu:
Hans Surén
1925
Die »Luftbad-Gesellschaft« setzte sich beim Magistrat von Berlin durch, eine Schwimmhalle zu bestimmten Zeiten zum Nacktbaden zu erhalten.

Mit »Wege zu Kraft und Schönheit« wird der erste FKK-Film am 16.03.1925 im UFA-Palast in Berlin uraufgeführt. Dieser Film zeigte nackte Menschen aller Altersgruppen, wie sie waren: natürlich und ungezwungen bei Spiel und Sport. Darunter auch Szenen der Gymnastikschule Hedwig Hagemann aus Hamburg. Dieser Film fand nicht nur in Deutschland großen Anklang.

Am 16.06.1925 wurde in der UDSSR das „Allunions-Erholungslager für Kinder” (»Artek«) gegründet. Nacktes sonnen und schwimmen, getrennt nach Mädchen und Jungen, war dabei üblich.

Weitere Informationen zu:
»Wege zu Kraft und Schönheit«
Artek
1926
Aus der lebensreformerischen „Siedlung Klingberg” wird der „Freiluftpark Klingberg”, eines der größten FKK-Gelände in Deutschland.

Eduard Fankhauser, Herausgeber verschiedener FKK-Zeitschriften wurde am 26.03.1926 wegen „Verbreitung von Schundliteratur” angeklagt, aber am 29.09.1926 freigesprochen. Zitat aus dem Urteil:
»Die Darstellung nackter menschlicher Körper ist an und für sich nicht unsittlich oder objektiv anstößig. Diese Auffassung kann heute wohl als allgemein anerkannt werden.«

1927
Die seit Januar 1927 erscheinende Zeitschrift »Die Freikörperkultur« wird offizielles Organ der Naturisten in Deutschland.

In Glüsingen (Lüneburger Heide) eröffnet Dr. Walter Fränzel das »Lichtschulheim Lüneburger Land«. Grundgedanke war eine naturistische Erziehung im Zusammenhang mit dem üblichen Schulunterricht.
Neben den allgemeinen Schulfächern standen auch Spiele und Ausflüge auf dem Stundenplan, wobei alle Aktivitäten, soweit möglich, nackt von Mädchen und Jungen zusammen ausgeübt wurden.

Robert Laurer, unterstützt von Erhard Wächtler, gründete am 09.08.1927 den Dachverband »Liga für freie Lebensgestaltung« (LffL), auch kurz »Liga« genannt. Offizielle Mitgliedszeitschrift der »Liga« wurde »Licht-Land«.

1928
Die »Liga« wächst und hat bereits Mitglieder in ganz Europa, aber auch in den USA, Mexiko und Indien.

Ein heute noch existierendes Liga-Gelände befindet sich in Schenefeld, unmittelbar an der Stadtgrenze zu Hamburg. Am 01.07.1928 konnte die Liga-Hamburg dieses 10.000 qm große Gelände pachten.
1929
Das »Lichtschulheim Lüneburger Land« wurde nach 2½ Jahren staatlich genehmigt. Schul- und Landräte hatten keine Einwände, daß die Mädchen und Jungen gemeinsam nackt unterrichtet und erzogen wurden. Selbst die umliegenden Heidebauern und Gutsbesitzer akzeptierten das »nackte« Landschulheim.

Das Fotografieren wird auch unter den FKKlern zu einem beliebten Hobby. Die Zeitschrift »Licht-Land« nahm dazu Stellung (Zitat):
»Verschiedentliche Anfragen unserer Leser beweisen, dass über die Voraussetzungen, unter denen wir Lichtbilder zur Veröffentlichung erwerben, Zweifel und Unklarheit bestehen. Alle Leser sind berechtigt, uns ihre Bilder zur Begutachtung und zum eventuellen Erwerb einzusenden und können sicher sein, daß ihre Aufnahmen sorgfältig geprüft werden.
Dabei kommt es gar nicht darauf an, daß die Bilder nun "Kunstwert" haben, sie müssen vielmehr wirkliches Leben zeigen und für den Geist unserer Bewegung Zeugnis ablegen.
Innenakte kommen eigentlich grundsätzlich nicht in Frage; dagegen haben Gruppenaufnahmen, die das fröhliche Treiben auf einem Lichtgelände oder irgendwo in freier Natur festhalten, besondere Aussicht auf Berücksichtigung. Je weniger "Stilwillen" die Menschen auf den Bildern zum Ausdruck bringen, je harmonishcer sie sich der umgebenden Natur einfügen, destso besser. Und solche Bilder haben wir gerade sehr oft von unseren Amateuren erhalten.«

1930
Am 01.01.1930 schließt sich der »Reichsbund für Freikörperkultur eV« dem »Reichsverband für Freikörperkultur eV« an.

Am 08.06.1930 findet das erste internationale Treffen mit Vertretern aus 8 Ländern auf dem Gelände des »Orplid Frankfurt« statt.

Das Ehepaar Dorothy und Charles Macaskie gründen den »Spielplatz«, mit einem Gelände in der Nähe von London.
Mit den Vorbereitungen startete das Ehepaar Macaskie bereits 1929.

Am 12.10.1930 entstand in Lübeck-Weslos die »Ortsgruppe Lübeck«, welches bis 1989 zu den wohl am besten beobachteten und meist fotografierten FKK-Geländen in der Bundesrepublik gehörte, denn es lag direkt an der damaligen Grenze zu der DDR.

Eduard Fankhauser veröffentlicht sein Buch »Nacktheit vor Gericht«, welches sich an seinem Freispruch aus dem Jahr 1926 anlehnt.
1931
Der erste FKK-Kalender mit dem Namen »Nackt das ganze Jahr« wurde zum Preis von 1,-- Mark verkauft, er hatte 53 Seiten.

Die »Liga für freie Lebensgestaltung«, der »Reichsbund« und der »Reichsverband für Freikörperkultur« schlossen sich zusammen und bildeten den Dachverband »RFK«.

Am 05.05.1931 fand im Carola-Bad in Leipzig das erste öffentliche Schwimmfest statt. 150 Frauen und Männer jeden Alters nahmen an den Wettkämpfen teil.

Die erste Doktorarbeit, welche sich mit der Freikörperkultur befasste, stammt von Amalie Lichtenberger, Dresden, und hatte das Thema: »Die erzieherische Bedeutung der Freikörperkultur«.
1933
Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten war auch für die Freikörperkultur (zunächst) ein herber Rückschlag. Hermann Göring verfügte am 03.03.1933:
»Die Nacktkultur ist eine der größten Gefahren für die deutsche Kultur und Sittlichkeit. Es wird daher von allen Polizeibehörden erwartet, daß sie in Unterstützung der durch die nationale Bewegung entwickelten geistigen Kräfte alle Maßnahmen ergreifen, um die sogenannte Nacktkultur auszurotten. Die Nacktkulturverbände sind auf das schärfste zu überwachen. Soweit Badeanstalten oder Gelände zur Verfügung gestellt wurden, ist auf die Eigentümer einzuwirken, daß die Verträge gelöst werden.«

Alle FKK-Vereine wurden verboten und die bisher erschienene FKK-Literatur zum größten Teil vernichtet.

Aber...
... es gab eine kleine »Hintertür«: Die FKK-Vereine konnten weiterbestehen, wenn sie sich klar zum NS-Regime bekannten und (zur besseren Kontrolle) dem »Reichsbund für Leibesübungen« anschlossen.

Bei einer »Führerbesprechung« am 23.04.1933 wurde folgender Aufruf verfaßt, welcher in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift »Freikörperkultur und Lebensform« veröffentlicht wurde:

»An alle Bünde, Mitglieder und Freunde!
Die nationale Erhebung verlangt im Interesse des Volkes ein klares Bekenntnis aller Organisationen zum neuen Staat. Dies macht eine Trennung von volksfremden und solchen Mitgliedern und Gruppen erforderlich, die sich in die Neuordnung des Reiches nicht einfügen können.
Um an der Aufrichtigkeit unseres Bekenntnisses zur Regierung keinen Zweifel aufkommen zu lassen, ist es notwendig, daß alle Führer und Vorstandsmitglieder zurücktreten, die durch ihre bisherige politische Einstellung und allgemeine Betätigung bewiesen haben, daß sie für Führerämter im neuen Deutschland nicht geeignet sind.
Eine politische Neutralität im althergebrachten liberalen Sinne kann es im neuen Deutschland nicht mehr geben.
Um eine Umbildung der Freikörperkulturbewegung im Sinne der vorstehenden Entschließung durchzuführen und um in Verhandlungen mit den zuständigen Regierungsstellen die grundsätzliche Anerkennung der Freikörperkultur und ihre Eingliederung in die Neuordnung der deutschen Leibesübungen zu erreichen, sind die Unterzeichneten von der unter Vorsitz von Professor Hauff am 23. April 1933 stattgefundenen Führerbesprechung als Kommissare mit der Leitung des Reichsverbands für Freikörperkultur beauftragt worden.«

Die Freikörperkultur sollte verboten werden, aber die NSDAP merkte schnell, daß eine Zusammenartbeit mit dem RFK wesentlich wertvoller ausfallen würde, auch, wenn man diese Zusammenarbeit erst erzwingen mußte. Der RFK mußte seine Satzung um folgenden Zusatz ergänzen:
»Der Verein bezweckt die leibliche und seelische Erzeihung seiner Mitglieder im Geiste des nationalsozialistischen Volksstaates durch die planmäßige Pflege durch Leibesübungen; insbesondere sieht er seine Aufgabe in der Gestaltung des deutschen Menschen über eine an Blut und Boden, d.h. Rasse und Landschaft gebundene, naturgemäße Form der Leibeserziehung. Er vertritt die Auffassung, daß die Leibesübungen unbekleidet zu betreiben sind.
Mitglieder können nur Deutsche arischer Abstammung werden.«

Fast 60 Vereine konnten vor einer Auflösung bewahrt werden.

Viele der eigenständigen Vereine haben sich, wie gefordert, ganz »offiziell« aufgelöst, agierten aber »inoffiziell« weiter.

Am 22.11.1933 wurde auf dem Gelände »Elysian Fields«, Kalifornien, die erste Nackt-Hochzeit vollzogen, wobei alle Anwesenden (Brautpaar, Trauzeugen, Brautjungfern, Gäste, aber auch der Pastor) nackt waren.
1936
Hans Surén bringt eine Neuauflage seines 1924 erschienen Buches »Der Mensch und die Sonne« heraus, in welcher er der nationalsozialistischen Ideologie Rechnung trägt und in seinem Buch verinnerlicht.

Im Sommer 1936 gab der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, der Gestapo die Weisung, die Ausübung der Freikörperkultur nicht mehr zu behindern. Zudem wurden in Berlin zwei Gelände wieder offiziell zum Nacktbaden freigegeben.
1937
19.09.1937 - Auf dem Zentralgelände der ONS (Zielbrücke-Thielle, Schweiz) wird das Lichtheim eingeweiht.
1939
Die » 1. Naturistischen Olympischen Spiele « wurden auf dem Gelände der ONS (Schweiz) durchgeführt (30.07. - 06.08.1937).
1942
Überarbeitete Polizeiverordnung zur Regelung des Badewesens, hierbei speziell das Nacktbaden.
1945
Der 2. Weltkrieg ist zu Ende

Aus England gibt es zu berichten, daß der Naturismus sich während des 2. Weltkrieges sehr positiv entwickelt hat. Profitiert davon hat in Deutschland die Liga Hamburg, welche durch das entgegenkommende Verhalten der englischen Besatzungsmacht recht schnell ihre "Arbeit" wieder aufnehmen konnte. Die »Liga« startete ihren Neuanfang mit weit über 1000 Mitgliedern.
1947
Neugründung des Bffl Hannover.
1949
05.11. / 06.11. - auf Initiative von Erhard Wächtler findet die Gründungsversammlung einer Dachorganisation aller deutscher FKK-Vereine in Kassel statt. Karlwilli Damm wird dabei zum 1.Vorsitzenden, und Erhard Wächtler zum 2.Vorsitzenden gewählt.

In der sowjetischen Besatzungszone, der späteren »DDR«, hatte es die FKK-Bewegung wesentlich schwerer. Wahrscheinlich befürchtete man, daß Widerstandsgruppen aktiv werden könnten.
So blieb den DDR-Bewohnern nichts anderes übrig, als sich zunächst in privaten Gruppen zu treffen, oder sich an einem bestimmten Strandabschnitt an der Ostsee zu treffen. Berühmt wurde dadurch Prerow (nahe der Grenze). welcher dann auch recht bald ganz (in)offiziell zu einem »FKK-Strand« erklärt wurde.
1950
29.07. / 30.07.1950 - 1. Hauptversammlung des DFK in Kassel.
Erhard Wächtler wurde als Nachfolger von Karlwilli Damm zum 1. Vorsitzenden des DFK gewählt.

Juli 1950: In Montalivet (Frankreich) wird das erste FKK-Ferienzentrum gegründet - »Centre Hélio Marin«, welches sich im Laufe der Jahre mit einer Fläche von 170 Hektar zu einem der größten FKK-Zentren der Welt entwickelte.
1952
Beim internationalen Treffen in Thielle/Schweiz wird Erhard Wächtler in den Vorstand des Weltnaturistenverbandes gewählt.

Mai - 1. Ausgabe der Verbandszeitung FKK.

Neues Gesetz zum Schutze der Jugend:
Schriften, die mit Bildern für die Freikörperkultur werben, dürfen weder öffentlich verkauft noch gezeigt werden.
1953
Der DFK wird zum eingetragenen Verein (e.V.), damit Rechtsfähig und voller Rechtsschutz. Eintragung am 18. August 1953 in das Vereinsregister in Hannover.

Aufruf des DFK: » Schafft Ferienplätze für Berliner Kinder « - um den Nachkriegskindern aus Berlin eine willkommene Abwechslung zu bieten.

09. Juni 1953 - Der Bundestag veröffentlicht das »Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften«, wozu auch ein Index angelegt wurde, auf welchem Zeitschriften, Zeitungen, Magazine und FIlme aufgenommen werden, die "dazu geeignet sind, Kinder und Jugendliche sittlich und moralisch zu gefährden".
Eigentlich ein durchaus positives Gesetz, doch für die FKK-Bewegung ein Problem, denn auch die Mitgliedszeitschriften standen plötzlich auf diesem Index.

23.08.1953 - Montalivet - 3. Naturisten-Weltkongreß: Gründung der »Internationalen Naturisten-Föderation« (INF/FNI). Auf drängen der Franzosen wurde der Abkürzung »INF« noch die Kürzel »FNI« (Fédération Naturisme Internationale) hinzugefügt.
Ein weiterer Tagespunkt des Weltkongresses waren dann auch die deutschen FKK-Zeitschriften, welche auf den Index gesetzt wurden. Der Kongreß sah hierdrin eine Diffamierung der FKK-Bewegung, einer Bewegung, welche sich von frühester Zeit an für die Belange der Jugend einsetzte.

Zu Ehrenmitglieder des DFK werden ernannt: Richard Ungewitter, Magnus Weidemann, Paul Zimmermann, Hans Surén und Therese Mühlause-Vogeler.

Offizielle Gründung der FKK-Jugend (DFK-Verbandstag in Düsseldorf).
1954
Auf Vorschlag von Erhard Wächtler (DFK) wird beschlossen, daß der INF-Ausweis der allein Gültige Eintrittsausweis für alle FKK-Gelände wird.
1955
Verbandstag in Mannheim: Namensänderung "Deutscher Bund für Freikörperkultur" in "Deutscher Verband für Freikörperkultur".

Urteil vom Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen:
» Das gemeinsame Saunabaden von Erwachsenen mit Kindern beiderlei Geschlechtes ist weder ungesetzlich, noch jugendgefährdend. «
1956
Die FKK-Zeitschrift »Sonnenfreunde« wird offizielle Mitgliedszeitschrift ("Organ") des DFK.

Schon 1956 wurde die Thematik »Fotografieren auf dem FKK-Gelände« diskutiert, denn teilweise wurden Fotografen sogar bedroht, oder Filme aus den Kameras gerissen - nicht gerade sehr tolerant, denn meistens waren es jene Leute, die sich dann darüber beschwerten, daß in FKK-Zeitschriften viel zu wenige Fotos abgedruckt würden.

Aber die FKK-Zeitschrift wehrte sich:
Zitat:
»Obwohl eine beträchtliche Flut von FKK-Fotos auf unserem Schreibtisch gelandet ist, haben wir Grund, mit unseren Fotografen einmal ein "ernstes Wörtchen" zu sprechen. Mit wachsender Besorgnis stellen wir nämlich fest, daß es auf unseren Geländen nur noch bezaubernd hübsche Mädchen zu sehen gibt und daß im gleichen Tempo, in dem diese mengenmäßig zunehmen, männliche Wesen von der "Bildfläche" verschwinden. So sehr wir lebendige Fotos, auch von jungen, hübschen Mädchen, begrüßen, so müssen wir doch - wenn wir uns mit Recht als offizielles Organ der FKK bezeichnen - das wirkliche Leben auf den Geländen zeigen.«

In der DDR wurden die »Nacktbade-Verbote« gelockert, welche ja sowieso nicht eingehalten wurden.

Der DFK zeigt die Foto-Wanderausstellung: » Freikörperkultur im Bild «
1957
Januar 1957 - die INF/FNI bringt das dreisprachige (deutsch/englisch/französisch) INF/FNI-Bulletin heraus.
1958
10.05.1958 - Was die Abbildung nackter Menschen betraf, wurde das Gesetz zum Umgang mit jugendgefährdenden Schriften zum Teil für verfassungswidrig erklärt.

Nach einem Kampf von fast 20 Jahren durften nun auch in den USA un-retuschierte Fotos in den Naturisten-Zeitschriften abgedruckt werden.
1959
01.05.1959 - Der DFK eröffnet am Rosenfelder Strand (Ostsee) einen offiziellen FKK-Campingplatz.

DFK-Abzeichen »springendes Mädchen« von Fidus für den DFK gesetzlich geschützt (Landgericht Berlin).

Karlwilli Damm ist Vertreter der INF auf dem UNESCO-Sportkongreß in Helsinki.

08.07.1959 - ich wurde geboren, zwar nicht "weltbewegend", aber zumindest für mich wichtig.
1960
Ausländische FKK-Gelände dürfen nur noch von Gästen besucht werden, die im Besitz eines gültigen INF-Ausweises sind, welche nur an organisierte Mitglieder des eigenen Landes ausgegeben werden.
Eine Ausnahme bildete hierbei Belgien, denn dort bestand noch ein Gesetz, wonach Kinder keine nackten Erwachsenen sehen durften (was ihre eigenen Eltern mit einschließt). Dieses Gesetz wurde unverständlicherweise streng gehandhabt und führte dazu, daß man auf belgischen FKK-Plätzen keine belgischen Kinder antraf. Familien verbrachten ihren FKK-Urlaub somit in den benachbarten Ländern. Revidiert wurde dieses Gesetz erst in den 90er-Jahren.
DFK-Strand auf der Insel Norderney wird eröffnet.
1961
Bundeslager der »FKK-Jugend« auf dem Simonsberg

Der DFK wird korporatives Mitglied der DLRG (Deutschen Lebensrettungs Gesellschaft)

Eine freiwillige FKK-Bildkontrolle wird eingeführt.
1963
27.04.1963 - Erhard Wächtler ist gestorben.

29.06.1963 - Der Deutsche Verband für Freikörperkultur e.V. (DFK) wurde als Anschlußorganisation im Deutschen Sportbund e.V. (DSB) als 65. Mitlgied aufgenommen.
1964
Trennung des DFK von der Adolf-Koch-Bewegung
1968
»Onkel Danny« - Ilsley Boone, der 1932 die Freikörperkultur in Amerika eingeführt hat verstarb am 01. Dezember 1968. Ilsley Boone war nicht nur Vater des Nudismus in den USA, sondern auch Förderer der INF, die ihn noch wenige Monate vor seinem Tod zum Ehrenmitglied ernannte.

Die Firma Oböna (Otto cher, Bad Nauheim) bringt den ersten FKK-Reisekatalog heraus, welcher zunächst nur unter dem Ladentisch heraus gegeben wurde.
1969
Die Firma TOUROPA brachte ihre erste »Sommerbroschüre« heraus, welche man ebenfalls nur "unter dem Ladentisch" erhalten konnte.

Der HFK (Hamburger Bund für Freikörperkultur) veranstaltete im Sommer 1969 einen »Tag der offenen Tür«, um mehr Mitglieder zu werben. Gut 100 neue Mitglieder konnte der HFK anschließend verzeichnen. In der Zwischenzeit gibt es immer öfters und regelmäßig den »Tag der offenen Tür« (Weltnaturistentag).
1970
Im FKK-Club »Four Seasons« (Kanada) wurde der 1. Miss-Welt-Schönheitswettbewerb durchgeführt.
1978
März 1978 - Mit einer Fläche von 4 Millionen Quadratmetern (1000 acres) wird der »Beau Valley Country Club« von Beau Brummel in Süd-Afrika gegründet und ist somit das größte FKK-Gelände der Welt (mit Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde).
August 1978 - Gründung der »South African Naturist Federation« (SANFED) durch Beau Brummel.
1992
Die Vereins- und Verbandssatzungen erklären sich und die Vereine für den Fall für überflüssig, wenn die Nacktheit in einen allgemeinen Zustand übergeht.
Ein sehr wichtiger, vorallem aber auch logischer Punkt, denn, wenn man überall nackt sein kann und darf, braucht man dafür naturgemäß keinen Verein.
1995
Gründung des FKK-Dorfes Colina do Sol in Brasilien. Dauerhaft in einer Gemeinschaft nach naturistischen Weisen leben, so das Motto des FKK-Dorfes, in welchem es auch alles, von der Einkaufsmöglichkeit, bis hin zu Ärzten, gibt.

Schlechte Nachrichten aus Afrika: das weltgrößte Nudisten-Gelände musste geschlossen werden.
ab 1996
Außer schwindenden Mitgliederzahlen und »Überalterungen« in den Vereinen, gibt es leider kaum noch wesentliche Ereignisse in der Freikörperkultur
2010
29.05.2010 - Der erste offizielle Nacktwanderweg, der „Harzer Naturistenstieg” im Wippertal bei Wippra (Sachsen-Anhalt), wird offiziell eröffnet. Die Wanderroute ist ungefähr 18 km lang.
2015
02.05.2015 - Herbert Steffan löst Kurt Fischer als DFK-Präsident ab.

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Quellennachweise

  • »Geschichte des Naturismus«, Karl Dressen (DFK)
  • »Helios«
  • »die neue zeit« (Schweiz)
  • »Freikörperkultur« und »FKK-Magazin« (DFK)
  • »Die Schönheit« (1939)
  • »Mensch und Sonne« (1942)