Nackedei 2

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Autor:
Edition Nacki, Jena
2017
978-3-00-056888-6
128
Deutsch
20 x 30 cm
Norbert Sander

Nackedei 2

Gelesen von Christoph Müller (Familien-Sport-Gemeinschaft Nordrhein - Westfalen)

Er gibt der Freikörperkultur Gesichter und Geschichten


Fotograf Norbert Sander zeigt Vielfältigkeit der FKK
Eines muss man dem Fotografen Norbert Sander lassen. Mit seinem Buch „Nackedei 2 - Freikörperkultur heute” gibt er der Freikörperkultur Gesichter und Geschichten. Was häufig verschämt verschwiegen wird, kommt in seinem Buch zur Sprache. Die Freude an und die Lebendigkeit der Freikörperkultur werden in dem abwechslungsreichen Buch spürbar.

Es sind sympathische Worte, die Sander schon in seinem Geleitwort findet. Deren Botschaft zieht sich durch das ganze Buch. FKK wird in seine Bildern und den kurzen begleitenden Texten zur Normalität. Es ist kein Skandal, sich der Alltags-, wie der Badekleidung zu entledigen. Es geht nicht um die Frage, ob der Körper eines zeitgenössischen Menschen schön ist. Denn jeder Körper besitze seine eigene Schönheit.

So fällt es dem Betrachter und Leser nicht schwer, in die Welt der Nackedeis einzutauchen. Sander hat sich diesmal auf den Weg gemacht und in ganz Deutschland Orte besucht, an denen Freikörperkultur gelebt wird. Seine Bilder zeigen die Isar in München genauso wie den Müggelsee bei Berlin. Mit der Kamera ist er genauso an die Pöhl-Talsperre in Sachsen gefahren wie zur FKK-Familienfreizeit „Mee(h)r erleben” am Rosenfelder Strand im schleswig-holsteinischen Grube.

Dort hat sich Sander wohl von den Menschen und den Begegnungen inspirieren lassen, die in aller Natürlichkeit einen unbekleideten Alltag leben. Berend erzählt dort, wie der Naturismus sein ganzes Leben begleitet hat. Heute genießt er es, für den alljährlichen Naturistenlauf zu trainieren und unter Gleichgesinnten Sport und Nacktsein miteinander verbinden zu können. Es sind aber auch die überraschenden Momente, die zur Sprache kommen. Rebecca ist eher durch einen Zufall zum Nacktsein in der Natur gekommen. Die Bilder zeigen, dass sie mit sich eins zu sein scheint, während der Wind ihre Haut streift.

Die Freikörperkultur muss allen Unkenrufen zum Trotz etwas Unbeschwertes haben. Diesen Eindruck vermitteln die Fotografien von Sander. Einzelnen scheint die Freikörperkultur Genugtuung zu sein. Sie scheint für viele Menschen Gemeinschaft zu stiften. Manche Gruppen treffen sich wohl in Regelmäßigkeit an einem See. Andere freuen sich in jedem Jahr auf ein Musik-Festival, bei dem man unbekleidet sein kann.

FKK ist in der Gegenwart nicht nur etwas, das in einem begrenzten Gebiet an einem See oder in einem naturistischen Sportverein stattfindet. Das sich wandelnde Selbstbewusstsein der FKK-Freundinnen und FKK-Freunde zeigt sich, wenn sie im Adam-und Eva-Kostüm durch den Wald joggen oder durch die Äcker wandern.

Kritisch ist die Darstellung der Jungen Aktiven Naturisten (JAN). Denn es erweckt einen albernen Eindruck, sich im Sommer mit Weihnachtsmann-Mützen als FKK-Begeisterte ablichten zu lassen. Auch die Bierflasche am FKK-Strand ist vielleicht die falsche Botschaft, um andere Menschen für die eigene Sache zu gewinnen.

Nichtsdestotrotz ist Norbert Sander ein herzliches Dankeschön dafür zu sagen, dass er sich als Botschafter für die Freikörperkultur versteht. Die Texte wie die Fotografien des Buchs „Nackedei 2” zeigen, dass die eigene Begeisterung auf diejenigen übergesprungen ist, die keine Zurückhaltung zeigen, die eigene Nacktheit in der Öffentlichkeit zu zeigen. So ist sein Buch eine überzeugende Einladung, es mit der Freikörperkultur auch einmal zu versuchen. Es bleibt offen, womit Sander künftig überraschen wird. Vielleicht gelingt es ihm, auf diversen europäischen FKK-Geländen oder markanten FKK-Plätzen den Spaß am Nacktsein zu entdecken. Dies wäre dann sicher ein Zeichen gegen das Zurückdrängen der Naturistinnen und Naturisten im internationalen (touristischen) Kontext.

www.sander-fotograf.de



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