„Bitte lächeln ... kostet nichts !”

Gelesen und rezensiert von Christoph Müller
Ein Arbeitsbuch, das man gerne in die Hand nimmt

Nacktwanderin Nicole Wunram geht neue Wege zum Lächeln

Mit Wanderführern hat sich Nicole Wunram einen Namen gemacht. Mit dem neuen Buch „Bitte lächeln ... kostet nichts !” wagt sie sich als Autorin in ein neues Genre vor. Sie hat Gefallen daran gefunden, den Acker in der Lebenshilfe zu pflügen. Ob es der Frontfrau des Nacktwanderns im deutschsprachigen Raum gelungen ist, fragen Sie. Sie hat einen guten Start hingelegt.

Mit dem Lachen, dem Humor und der Lebensfreude haben sich namhafte Autorinnen und Autoren beschäftigt. Von therapeutischem Humor wird in diesem Zusammenhang geschrieben. Wer mit Nicole Wunram die Spurensuche durch den Optimismus wagt, der begibt sich auf die Suche nach dem alltäglichen Optimismus.

Worauf Nicole Wunram aufmerksam macht, ist die Notwendigkeit, die Haltung zum Alltag und zum eigenen Leben zu ändern. In Anlehnung an einen Aphorismus von Mark Twain „Gib jedem Tag die Chance, der schönste Deines Lebens zu sein” ermutigt sie, mehr zu lächeln und mehr zu lachen. Nicole Wunram kommt nicht in einem belehrenden Ton daher und schreibt ein Sachbuch, durch das man sich durch quälen muss. Nein, sie schreibt ein Arbeitsbuch, das man gerne in die Hand nimmt. Sie fordert die Leserin und den Leser auf, sich mit Notizen Inhalte selber zu erarbeiten. Die Mühen lohnen sich, auf jeden Fall.

Es irritiert, dass Nicole Wunram sich an die „to go”-Ideologie der Gegenwart anlehnt. Es macht seinen Sinn. Schließlich scheint sie nicht zu wollen, dass die Leserinnen und Leser ihre Ideen in einem Schluck lesen, sondern sich häppchenweise an eine angepasste Grundhaltung herantasten. Sie ermuntert, im Alltag Komfortzonen zu verlassen, um Neues zu erleben. Begründung: „Die Entscheidung für etwas Neues bringt oft Befreiung mit sich Hör bei Deiner Entscheidung auch auf Dein Gefühl.”

Dies wird vielen Menschen schwerfallen, vertrauen wir im Leben doch allzu oft auf die Vernunft. Nicole Wunram setzt darauf, dem Bauch hier und dort mehr Raum zu geben als dem Kopf. Wer es wagt, dem wird es sicher auch leichter fallen, einer Nachmach - Idee von Nicole Wunram nachzukommen. Sie schlägt vor, sich Smileys auszudrucken oder als Aufkleber zu kaufen und diese an Pinwänden in Supermärkten einfach aufzukleben. Smileys brächten zum Schmunzeln, gibt sie sich überzeugt.

Sie hätte noch weitergehen können bei ihrem praxistauglichen Vorschlag, in Anlehnung an den Kabarettisten Eckhart von Hirschhausen. Er schlägt vor, sich eine farbige Nase aufzusetzen, wenn man mit dem Auto an der roten Ampel steht und einfach nur nach vorne zu blicken. Die Reaktionen der Menschen sprächen Bände.

Nicole Wunram erinnert in dem Buch „Bitte lächeln ... kostet nichts!” daran, sich mehr Aufmerksamkeit und Achtsamkeit zu schenken, der Erholung mehr Platz zu geben als sich von Pflichten und Arbeit auffressen zu lassen. Ein weiser Rat !

Mit dem Buch „Bitte lächeln ... kostet nichts!” hat Nicole Wunram neue Pfade betreten. Sie will nicht belehren, alles besser wissen. Sie kommt mit der ihr eigenen Zurückhaltung daher, sucht zu überzeugen. Schließlich brauchen die zeitgenössischen Menschen Vorbilder. Ich warte geduldig auf eine Fortsetzung und werde mir Nicole Wunrams Buch als Brevier auf den Tisch oder in den Rucksack legen.

Text: © Christoph Müller

Interview

Liebe Nicole, mit dem Buch „Bitte lächeln ... kostet nichts!” hast Du Dich auf neues Terrain gewagt. Lebenshilfe statt Wanderführer - was ist die Motivation gewesen?

Die Hauptmotivatoren waren meine Kollegen. Dieses Buch ist im Alltag entstanden, speziell nach den Wochenenden konnte ich feststellen, dass ich wesentlich ausgeruhter und entspannter bin als meine Mitmenschen. Die Gründe dafür wollte ich gerne analysieren und die Idee für das Buch war geboren.

Hat es in Deinem Leben Ereignisse und Erfahrungen gegeben, die Dich bewegt haben, an Deiner Haltung zu Alltag und zu den Menschen zu arbeiten?

Nein, es gab keine einschneidenden Ereignisse. Es gibt in meinem Leben verschiedene Grundsätze, zum Beispiel „Jedes Ding hat seinen Ort, jedes Ding an seinen Ort” ... . Somit macht es mir weniger Arbeit Dinge wegräumen oder suchen zu müssen. Auch den Grundsatz ein Problem nicht zu meinem zu machen, wenn ich die Situation nicht ändern kann, hat mir schon oft weiter geholfen.

Was bedeuten Lächeln, Lachen und Humor für Dich? Inwieweit hast Du Dich mit dem therapeutischen Humor beschäftigt?

Lächeln und Lachen bedeutet für mich Lebensfreude mit der ich gerne andere Menschen anstecke, doch mit therapeutischem Humor habe ich mich bisher nicht beschäftigt.

Haben Lächeln, Lachen und Optimismus für Dich etwas mit Lebenskunst zu tun? Was heißt für Dich Lebenskunst?

Ja, auf jeden Fall. Lebenskunst - die Kunst zu leben? Ich glaube daran, dass es wichtig ist die kleinen und die großen Augenblicke im Leben zu genießen, jeden Tag aufs Neue. Sich selbst und seinen Gefühlen bewusst zu werden, zu genießen um damit das Leben für sich wertvoll zu gestalten.

Inwieweit bedeutet das Lächeln für Dich, den Fratzen des Alltags etwas entgegenzusetzen?

Verfahrene Situationen im Alltag lassen sich mit einem Lachen manchmal entschärfen. Lachen ist ein befreiendes Gefühl und schafft Abstand um neu nachzudenken. Bei einem Sparziergang durch einen Bahnhof oder anderen Orten mit vielen Menschen schau ich gerne in die Gesichter und lächele freundlich - oft wird dieser stille Gruß erwidert und das Gesicht erhellt sich. Das macht mir Freude.

Was dürfen wir als Leser Neues erwarten? Welche Projekte mit dem Wandern oder dem lächeln planst Du?

Mein nächstes Projekt ist bereits im Entstehen. Die ersten Kurzgeschichten sind geschrieben. Ziel ist es dem Leser für jeden Tag eine anzubieten, so wie in Kindertagen mit den 365 Gute-Nacht-Geschichten.

Herzlichen Dank für das Interview.


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