Facebook ist die große Zensur

Mehr als überfällig erscheint die Diskussion, die die Internationale Naturisten-Föderation (INF) und deren Präsidentin Sieglinde Ivo in diesen Tagen anzettelt. Mit einem Kernsatz wie „Facebook ist die große Zensur” kritisiert Ivo die Prüderie, die gesellschaftlich zunehme. Das soziale Netzwerk aus den USA sei ein markantes Beispiel dafür, dass Nacktheit und Natürlichkeit nicht mehr erwünscht sei. Es sei nun an der Zeit, dass Freundinnen und Freunde der Freikörperkultur nun ihre Stimme erheben sollten, ist INF-Präsidentin Ivo überzeugt.

Wenn Naturistinnen und Naturisten in der Gegenwart sich Gehör verschaffen wollten, so sollten sie vor allem die Vorzüge der Freikörperkultur betonen. Wer naturistisch lebe, der sorge sich um die Balance von Körper, Seele und Geist, meint Sieglinde Ivo. Wer seinen Urlaub nackt verbringe, aber auch sonst das Unbekleidetsein vorziehe, dem gehe es nicht um Sex oder gar Exhibitionismus. Naturistisches Leben sei eine Grundhaltung.

Wenn Naturistinnen oder Naturisten in sozialen Netzwerken Fotos posten wollten, so müssten sie sich darauf beschränken, die Rückansicht von Frauen und Männern zu zeigen oder sich mit Andeutungen zu begnügen. Dies fordere natürlich bei Menschen die Kreativität heraus. Doch gehe die Schlichtheit der naturistischen Darstellung dadurch gleichfalls verloren, meint INF-Präsidentin Ivo, die 400 000 FKK-Begeisterte in aller Welt vertritt.

Sieglinde Ivo sieht eine gewisse Konsequenz in diesen Entwicklungen. Nacktheit sei immer mehr Teil des privaten Lebens. Gleichzeitig werde die Körperlichkeit von Menschen immer mehr in der Weise thematisiert, dass nackte Körper in Werbungen maximal retuschiert dargestellt würden oder Körper-Modifikationen an Zulauf gewinnen würden. Es sei bedauerlich, dass die zeitgenössischen Menschen den eigenen Körper immer mehr tunen wollten wie das eigene Auto, die Alltäglichkeit des Körpers jedoch nicht von Bedeutung sei, so Ivo.

Wenn Facebook der Veröffentlichung naturistischer Fotos im sozialen Netzwerk den Riegel vorschiebe, müsse hinter die Demokratiefähigkeit solcher Netzwerke zumindest einmal ein großes Fragezeichen gesetzt werden. Den naturistischen Föderationen in Europa und der ganzen Welt wird das Leben derzeit eh schwer gemacht. Dabei kann Sieglinde Ivo für die weltweite Bewegung nur lobende Worte finden. Es finde sich eine große Vielfalt an Menschen und Ideen in der Bewegung, dass es ungeheuren Spaß mache, sich dort zu engagieren.

Wenn in der Bundesrepublik Deutschland das gehäufte Vorkommen pädophiler Erscheinungen zu Verkrampfungen im Umgang mit kindlicher und jugendlicher Nacktheit führe, so sei dies nachzuvollziehen. Dass sich Naturistenvereine und Naturistenverbände den Fragen stellen müssten, müsse eine Selbstverständlichkeit sein. Schließlich sei auf den Vereinsgeländen in Deutschland und auch überall anders mit Menschen zu rechnen, die pädophile Neigungen hätten.

INF-Präsidentin Ivo hofft, dass etwas mehr Gelassenheit um sich greife. Denn in den naturistischen Vereinen und Verbänden könnten so positive Erfahrungen mit vielen gleichgesinnten Menschen gemacht werden, dass es attraktiv sein müsste, sich darauf einzulassen. Sie hofft, dass sich der organisierte Naturismus noch mehr Gedanken um das Wachsen der eigenen Strukturen macht als sich über die Prüderie der Gesellschaft Gedanken zu machen. Es gebe viel zu tun, die Begeisterung für das Nacktsein spürbar zu machen, wenn es stimme, dass in Deutschland beispielsweise 8 Millionen Menschen regelmäßig Freude an der Freikörperkultur haben. Recht hat die INF-Präsidentin Sieglinde Ivo.

© Christoph Müller


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