Unverzichtbares Utensil in der Freikörperkultur

Zur Hand genommen von Christoph Müller

Ein Name, ein Produkt, eine Marke. Der „FKK Reiseführer Europa” ist ein unverzichtbares Utensil in der deutschsprachigen Freikörperkultur. Dies soll so bleiben. Denn die Naturistinnen und Naturisten wollen das Nacktsein leben. Traditionell bietet der „FKK Reiseführer Europa” die Möglichkeit, in sämtlichen Regionen des europäischen Kontinents Orte zu finden, wo man sich unbedenklich hüllenlos zeigen kann.

Unbekleidet zeigen sich die Models des „FKK Reiseführers Europa 2015” natürlich auch. Eine Nymphe, die träumend auf dem Sandboden eines Strandes liegt, ziert das Buchcover. An anderer Stelle räkelt sich eine junge Frau auf einer Holzleiter an einer Holzhütte, die irgendwo in den Bergen zu sein scheint. Eine Strandschöne strubbelt sich die Haare inmitten der Dünen eines weiten Sandstrandes.

Wenn wir darüber nachdenken, dass sich die Grundhaltung der Naturistinnen und Naturisten aus einer anthroposophischen Überlegung zu Körper, Geist und Seele begründen lässt, dann erscheint es notwendig, darüber nachzudenken, wie dies auch fotografisch umgesetzt werden kann. Im diesjährigen „FKK Reiseführer Europa 2015” ist dies sicher nicht gelungen.

Der „FKK Reiseführer Europa 2015” informiert in der gewohnten Sachlichkeit und Komplexität über die vielen naturistischen Vereinsgelände und Campingplätze, die in Urlaubszeiten besucht werden können. Genauso findet sich ein Geleitwort des Präsidenten des Deutschen Verbands für Freikörperkultur (DFK), Kurt Fischer, in dem Reiseführer. Fischer unterstreicht, dass laut Studien etwa 7 Millionen Menschen in der Bundesrepublik nackt den Urlaub verbringen. Fischer nutzt leider nicht die Gelegenheit, die Perspektiven für den Naturismus zu beschreiben. Im Angesicht seiner bevorstehenden Amtsniederlegung erscheint dies noch bedauerlicher.

Wenn der DFK als naturistischer Breitensportverband in den eigenen Reihen und Publikationen den „FKK Reiseführer Europa” als eigenen Reiseführer verkauft, so wünscht sich der zeitgenössische Naturist sicher mehr dargelegte überzeugung. Es ist natürlich keine Schande, den Status quo zu erhalten. Viele Menschen schätzen ihn in dieser Art sicher auch. Wenn für die Zukunft Perspektiven dargestellt werden sollen, kann der „FKK Reiseführer Europa” sicher ein Moment in diesem Sinne sein.

Es stellt sich natürlich die Frage, wie ein solches Ziel erreicht werden kann. Es erscheint sicher nicht als Binsenweisheit, dass viele Projekte sicher nur als gemeinsame Werke gelingen können. Dem organisierten Naturismus sei deshalb die Frage gestellt, wie er sich aufstellen mag, um sich an einem entsprechenden Ziel zu orientieren. Wenn es stimmt, dass Naturistinnen und Naturisten aus der sogenannten freien Szene den „FKK Reiseführer Europa” als Orientierungshilfe nutzen, so erscheint es doch nicht als frech, ihnen mehr Ansprache zu gönnen als die reine Sachinformation. Es könnte dann auch eine Zukunft anbrechen, in der man schreibt: „Ein Name, ein Produkt, eine Marke ... eine Vision.”

Text: © Christoph Müller


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